Sollte man Vögel (Gartenvögel / Wildvögel) füttern?

Im Winter füttert man Vögel, im Sommer aber nicht. Dies ist die vorherrschende Meinung. Wenn man das fröhliche Vogelgezwitscher nicht nur im Winter erhalten will, sollten Tierfreunde ganzjährig mit Fütterung unseren freilebenden Vögeln nachhelfen. Warum eigentlich?

Seit 1980 nahm nachweislich der Artenbestand der brütenden Wildvögel in der EU um 50% ab (1, 2).

Die Welt erlebt einen rasanten Verlust an Tieren und Pflanzen, den es so noch nie gegeben hat. Das große Sterben hat der Mensch verursacht. Und es hat Deutschland erreicht. Wo Insekten seltener werden, kann es auch Vögeln nicht gut gehen.

Quelle: ZEIT Online (3)

Auch der Naturschutzbund (NABU) informiert, warum das allbekannte Insektensterben mit dem Rückgang des Vogelbestands zusammenhängt. Laut NABU ist der Vogelbestand in Deutschland rückläufig, weil sich ihr Lebensraum durch den Menschen verändert. Demnächst müsste man in „Naturschutzgebiete“ fahren, um Vögel zu beobachten, die man (noch) im Alltag sieht (4)

In der Wissenschaft ist man sich laut ZEIT Online einig, Vögel sollte man füttern, auch weil es „glücklich“ macht:

„[…]Und Biologen raten dazu, Vögel zu füttern, und zwar nicht nur im Winter. Damit hilft man zwar keinen seltenen und im Bestand bedrohten Arten, tut aber, besonders mit Kindern, etwas für die Verbundenheit mit der Natur. Und das kann sogar glücklich machen, wie Wissenschaftlerinnen herausfanden[…]

Quelle: ZEIT Online (5)

 

Vogelbeobachtung macht glücklich

Diese positive Erfahrung machen Tierfreunde, die aktiv Ihre gefiederten Besucher füttern. Auch kann ich es an meinen Söhnen beobachten, wie sehr sich beide freuen, wenn sich Vögel im Vogelfutterhaus an der Futterschale vergnügen.

Nicht nur Kinder erfreuen sich am Anblick freilebender Vögel, auch Menschen im fortgeschrittenen Alter haben mehr Lebensfreude. Eine wissenschaftliche Studie wurde in einem Pflegeheim durchgeführt, wo eben die Auswirkung von Vogelbeobachtung analysiert wurde. Es wurde festgestellt, dass die Bewohner durchweg „fröhlicher“ waren, als diese über eine Zeitperiode frei lebende Vögel beobachten konnten. Die Wissenschaftler versuchen ihre Beobachtung zu erklären:

„[…] „Wir fühlen uns deshalb Flora und Fauna tief emotional verbunden. Diese Nähe ist heilend und wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus.“ Mit Haustieren ließe sich nach ihrer Meinung ein ähnliches Ergebnis nicht erzielen. Das Vogelbeobachten entfalte seine Wirkung aber womöglich gerade, weil wild lebende Tiere freiwillig eine kurze Bindung zum Menschen eingingen.[…]“

Quelle: Sueddeutsche Zeitung (6)

In der Studie wurden die Vögel durch die Forscher gefüttert und nicht durch die Einwohner, die bei der Vogelfütterung in ihrem Wohlbefinden untersucht wurden. Anzunehmen ist, dass sich die positive Wirkung der Vogelfütterung verstärken würde, wenn die Einwohner der Pflegeeinrichtung selbst das Futter zur Vogelfutterstelle bringen würden.* Es ist nämlich ein schönes Gefühl zu sehen, dass die Gabe von Futter von frei lebenden Vögeln angenommen wird und die Futterstelle beobachtbar regelmässig angeflogen wird.

Folglich machen Sie nicht nur die frei lebenden Vögel glücklich, sondern auch sich selbst! Denn das Geben macht seliger (glücklich) als nehmen.

*Sollten Sie in einem Pflegeheim arbeiten und die Vogelfütterung zum Wohle Ihrer Einwohner praktizieren, dann versuchen Sie (wenn möglich), dass die Einwohner eigenständig das Vogelfutter in das Vogelfutterhaus anbringen. Das Wohlbefinden Ihrer Einwohner wird sich sehr wahrscheinlich erhöhen!

Quellen:

Welches Futter eignet sich am besten?

Als Basisfutter, das im Zweifel von fast allen Arten gefressen wird, eignen sich Sonnenblumenkerne. Bei ungeschälten Kernen fällt zwar mehr Abfall an, dafür verweilen die Vögel aber länger an Ihrer Futterstelle. Freiland-Futtermischungen enthalten zusätzlich andere Samen unterschiedlicher Größe, die von unterschiedlichen Arten bevorzugt werden.

Die häufigsten Körnerfresser an Ihrer Futterstelle sind Meisen, Finken und Sperlinge. Bei uns überwintern daneben auch Weichfutterfresser wie Rotkehlchen, Heckenbraunelle, Amseln, Wacholderdrosseln oder Zaunkönig. Für sie kann man Rosinen, Obst, Haferflocken und Kleie anbieten in Bodennähe anbieten. Dabei ist darauf zu achten, dass dieses Futter nicht verdirbt. Es gibt spezielle Bodenfutterspender, die sich dafür besonders eignen.
Insbesondere Meisen lieben auch Gemische aus Fett und Samen, die man selbst herstellen oder als Meisenknödel kaufen kann. Achtung: Achten Sie beim Kauf von Meisenknödeln und ähnlichen Produkten darauf, dass diese nicht, wie leider noch häufig üblich, in Plastiknetzen eingewickelt sind. Vögel können sich mit ihren Beinen darin verheddern und schwer verletzen. Keinesfalls sollte man salzige Nahrung wie Speck oder Salzkartoffeln anbieten. Auch Brot ist nicht zu empfehlen, da es im Magen der Vögel aufquillt und schnell verdirbt.

Quelle: NABU

Was sollten sie bei der Fütterung von Wildvögeln vermeiden?

  • Kein Brot oder Speisereste verfüttern, die schon allein wegen der Gewürze, Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker für Vögel nicht geeignet sind.
  • Kein Futter auslegen, das Feuchtigkeit enthält und im Winter gefrieren kann.
  • Obst im Winter nur in kleinen Mengen frisch auslegen.
  • Bei der Herstellung eines Futterbreies kein salzhaltiges Fett verwenden.
  • Regelmäßig in kleinen Mengen vormittags und nachmittags füttern, überschüssiges Futter nach gegebener Zeit wieder entfernen.
  • Mehrere Futterplätze geschützt anlegen und verschiedenartig gestalten.
  • Futterplätze sauber halten.

Quelle: Tierschutzbund